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Datenhygiene

[!toc] Table of contents

Egal ob bei Verkehrsdatenüberwachung, digitaler Forensik oder Hausdurchsuchungen: Es geht immer um Daten, aus denen euch potentiell ein Strick gedreht werden soll. Deshalb ist es wichtig sich regelmäßig zu fragen, welche Daten wirklich notwendig sind:

  • Brauchen wir für dieses Treffen ein Protokoll?
  • Wenn alle auf dem Treffen waren, braucht es vielleicht auch keine Notizen davon.
  • Muss ich mein Handy mitbringen?
  • Muss ich Freund*innen schreiben, welche coole Aktion ich gerade gemacht habe?
  • Selbstdarstellung ist schon vielen zum Verhängnis geworden!

Wenn es keine Daten gibt, kommt auch niemand dran. Allerdings kann die Einschätzung einiger weniger, dass die Recherche-Unterlagen jetzt veraltet sind und vernichtet werden können, ein paar Jahre später schwer bereut werden. Der berühmte Aktenordner unter dem Bett wäre aber vielleicht zu riskant gewesen. Wie also Daten sicher aufbewahren? Auf Papier auf jeden Fall nur in den wenigsten Fällen!

[!warning] Warning {static}

If you have created “incriminating material” - Get rid of it ASAP!

Den meisten dürfte jedoch bekannt sein, dass das einfache Löschen von Dateien keineswegs heißt, dass Daten unwiderruflich verschwunden sind. Noch nicht einmal wenn Windows euch warnt, dass mit dem leeren des Papierkorbs aber nun wirklich alles für immer in einem schwarzen Loch verschwindet.

Daten sicher löschen

[!tip] TL;DR {static}

Der sicherste Weg Daten zu löschen, ist den Datenträger selber zu verschlüsseln.

In diesem Falle brächte ein Forenikprogramm immer noch das Passwort nd eine Portion Glück, bevor es überhaupt etwas lesen könnte - selbst wenn die Dateien nur “normal” gelöscht wurden.

To illustrate what happens when files are deleted “normally,” here is a metaphor:

[!technical] SSDs vs HDDs

The following scenario only applies to a limited extent to

common types of storage, such as classic HDD hard drives! There are additional things to consider for flash storage such as SD cards, USB sticks, or SSDs. More on this under “Special features” below.

How Files are “deleted” - Anna & Arthur’s shared apartment

Anna & Arthur live in a shared apartment. Their names and addresses are listed in the address book (unlike a phone book, everything is sorted by address here). The apartment is the storage medium (hard drive, USB stick, SD card, etc.) and Anna & Arthur are the data on that storage medium. The good old paper phone book (these huge books, where every ones landline number and home address could be looked up at) is the so called address management system of the storage medium.

If you want to find Arthur, you enter Arthur’s address. The computer then goes to the address, fetches Arthur from his apartment, and displays him on the screen. This is normal operation when data is stored in memory and is being used.

Unfortunately, during the last action, Arthur’s mask slipped down over his nose, he was identified, and now he has to leave quickly: The data must be deleted.

If you now click on “delete,” this file will be moved to the recycle bin. Nothing is really deleted when moved to the recycle bin; just think of it as a “files to be deleted” folder.

So you empty the trash can too. What has happened now? Has Arthur disappeared?

No, you have only deleted Arthur’s name from the address book. Arthur himself is still sitting on his couch waiting for something to happen: The data is still physically on the storage medium. It is just no longer indexed in the memory’s address directory.

If the cops look in the address book, they won’t find Arthur’s name anymore. But if they simply search street by street, door by door, they will eventually come across Anna & Arthur’s shared apartment, where Arthur is still sitting.

The solution? Overwriting the data: Anna & Arthur need random new tenants.

[!tip] Overwrite data! {static}

In summary: Data is only truly deleted when the addresses in the memory where it was stored have been overwritten by other random data.

However, this process is not standard in any common operating system (whether PC or mobile phone), as these only delete the address entries for the files. This therefore requires additional actions.

Besonderheiten

  • Adressierung: Bei Flashspeichern wie SD-Karten, USB Sticks oder SSDs weiß das Betriebssystem nicht genau, auf welchen exakten Bits die Daten eigentlich liegen. Eine eindeutige Verbindung zwischen physischen Bits und von außen adressierbaren Sektoradressen existiert so nicht. Deshalb können diese Bits auch nicht einfach überschrieben werden, weil gar nicht klar ist, welche denn überschrieben werden sollen.
  • Overprovisioning: Noch dazu blockieren diese Arten von Speicher bestimmte Adressblöcke vor externem Schreibzugriff, sogenannte “Reserveblöcke”. Dieses Overprovisioning hat drei Hauptfunktionen: Fehlerkorrektur, Optimierung von Schreibgeschwindigkeit und schont die Lebensdauer des Speichermediums.

[!technical] Technical Details - Overprovisioning

  • Fehlerkorrektur: Wenn einzelne Speicherzellen fehlerhaft werden (zum bsp. durch Verschleiß), kann der Controller auf diese Reserve zurückgreifen, um zu vermeiden, dass die Daten “kaputt” abgelegt werden.
  • Schreibgeschwindigkeit: Da die Reserveblöcke bereits “leer” zur Verfügung stehen, müssen nicht immer erst Zellen gelöscht werden, um sie neu zu beschreiben. Der Controller kann so direkt auf leere Zellen zurückgreifen und sie sofort beschreiben.
  • Lebensdauer: Overprovisioning vermeidet durch Rotieren der Daten auf den Speicherzellen, dass einzelne Zellen über eine sehr lange Zeit im immer gleichen Zustand bleiben. Das führt klassischerweise dazu, dass diese Zellen bezüglich ihres “an”- und “aus”-Zustandes asymmetrisch werden. Sie tendieren also eher in die eine, oder die andere Richtung zu kippen. Bei Schreibvorgängen kommt es dann zu Fehlern, weil einem Transistor, der bspw. über Jahre “an” war, nun mit einem extrem kurzen Impuls gesagt wird, dass er nun mal “aus” werden soll. Das passiert aber eventuell nicht, weil er sich schon so lange an “an” gewöhnt hat.

Deshalb reicht es hier nicht aus, mit gängigen Methoden Speicherzellen mit random Bits zu überschreiben. Damit bleiben die Reserveblöcke unangetastet, aus denen aber im Zweifel alte Daten rekonstruiert werden können. Die ATA Spezifikation bietet dafür zwei Befehle: SECURITY ERASE UNIT und ENHANCED SECURITY ERASE UNIT. Ersteres überschreibt nur mit Nullen, zweiteres mit random Bytes. Werden diese Befehle auf eine SSD angewandt, werden auch besagte Reserveblöcke überschrieben. Sowohl unter Linux als auch unter Windows finden sich dafür Kommandozeilen-Tools, die jedoch etwas hacky sein können. Die meisten SSD Hersteller wie Samsung, Kingston, Western Digital und Co. liefern extra dafür eigene Tools an, derer sich bedient werden kann.

Diese Tools machen im Prinzip nichts anderes als diese Befehle auf SSDs mit ihrer eigenen (proprietären) Firmware anzuwenden.

Verschlüsselte Daten löschen

Eine effizientere Methode ist die Verschlüsselung. Das folgende gilt für sowohl für rotierende Platten (HDDs) als auch für SSDs:

Wird der Datenträger verschlüsselt, wird ein Key generiert, der im Header (~Kopfzeile) des Speichers abgelegt wird. Dabei werdet ihr aufgefordert ein Passwort für die Verschlüsselung festzulegen. Mit diesem Passwort wiederum wird der im Header liegende Key verschlüsselt - nicht die Daten selbst.

Jede Datenlese- oder Schreiboperation der Daten wird symmetrisch mit dem Key ent-, oder verschlüsselt.

Die Bit-Zustände auf dem physischen Datenträger können auf Grund der mathematischen Eigenschaften moderner Verschlüsselungsalgorithmen nicht von random Bits unterschieden werden. Ein verschlüsselter Datenträger sieht also forensisch genau so aus wie ein zufällig beschriebener.

Um diese Daten nun wieder sicher zu löschen, muss daher nur der Key im Header des Datenträgers gelöscht und überschrieben werden. Das spart nicht nur enorm viel Zeit (dauert nur ein paar Minuten), das schont auch die Lebensdauer des Datenträgers. Ein vollständiges Überschreiben von einer 1TB HDD kann gut und gerne mal mehr als 5 Stunden dauern.

Detailliertere Infos findet ihr beispielsweise hier.

[!info] Summary {static}

  • Daten auf unverschlüsseltem Datenträger: gelöschte Daten lassen Spuren zurück, die wiederhergestellt werden können. Deshalb müssen Daten beim Löschen mit zufälligen (random) Bits überschrieben werden (am besten mehrfach).
  • Daten auf verschlüsseltem Datenträger: Diese sind höchstens durch den Key in ihrem Header entschlüsselbar. Dieser Key ist mit einem Passwort gesichert. Wird nur dieser Key gelöscht und überschrieben, können Daten nicht mehr hergestellt werden.